Autor: adminhb

Der erste, im Jahr der Ansiedlung angelegte Friedhof befand sich im Norden der Gemeinde, am Ende der Kirchengasse. Daran erinnert bis heute die kleine Kapelle in der Nähe des Bahnhofs, die 1901 errichtet wurde. Der Kalvarienberg mit Friedhofskapelle und Ruhestätte der herrschaftlichen Familie Csekonics war jahrzehntelang das Wahrzeichen der Gemeinde Hatzfeld.

Bereits 1816 entstand im westlichen Teil der Gemeinde, in Verlängerung der Hauptgasse, ein zweiter Friedhof, der 1853 eine Kapelle erhielt. Nach der in den Jahren 1899/1900 erfolgten Überführung der Gebeine aus dem alten in den neuen Friedhof sowie der Särge der Familie Csekonics in deren Mausoleum in der Nähe des Csitό-Schlosses, wurde der alte Friedhof aufgelassen und der Kalvarienberg abgetragen.

Auffallend sind auf dem Hatzfelder Friedhof die zahlreichen künstlerisch gestalteten Grabstätten. Die Grabsteine aus weißem und schwarzem Marmor, die meisten davon in den Werkstätten der Hatzfelder Steinmetze Marschall und Granofsky hergestellt, die Statuen, Figurinen und Basreliefs sowie die schmiedeeisernen Arbeiten zeugen nicht nur vom Wohlstand der Gemeinde, sondern auch von der Kunstfertigkeit der hiesigen Handwerker.

 

Wissenswertes zum Pachtvertrag und zur Grabgebühr

 

Der Friedhof überging 1997 in die Verwaltung der Stadt Hatzfeld. Die derzeit gültige Friedhofssatzung wurde vom Hatzfelder Gemeinderat am 19. Dezember 2007 (Beschluss Nr. 231) verabschiedet.

Laut Paragraph 32 werden die Grabstätten den Bürgern der Stadt Hatzfeld konzessioniert (verpachtet). Konzessionsberechtigt sind aber auch nicht mehr in Hatzfeld wohnende Bürger. Der Konzessionsvertrag wird für eine Dauer von 10 Jahren abge­schlossen und kann verlän­gert werden. Zur Konzession einer Grabstätte sind der Nachweis der Begleichung der Konzessionsgebühren beim Amt für lokale Gebühren und Steuern der Stadt Hatzfeld (Serviciul Impozite şi Taxe Locale, str. Republicii 38) sowie der Personalausweis oder Reisepass er­forderlich. Mittels Vollmacht kann auch ein lokaler Vertreter benannt werden, dann ist auch dessen Personalausweis vorzulegen.

In Paragraph 38 sieht die Satzung den Verlust des Nutzungsrechtes vor, wenn die Gebühren drei Jahre in Folge nicht bezahlt wurden oder wenn die Grabstätte seit mehr als zwei Jahren nicht gepflegt oder verlassen wurde.

Dem bisherigen Nutzer steht nach Ablauf des Vertrags eine Frist von 60 Tagen zu dessen Verlängerung zu. Kommt er in dieser Zeit seiner Verpflichtung nicht nach, kann die Friedhofsverwaltung die Grabstätte anderweitig vergeben.

Die Paragraphen 63 bis 67 regeln die Übertragung der Nutzungsrechte an den Grab­stätten. Nutzungsrechte können vererbt oder unter Verwandten bis zum vierten Grad übertragen werden, wobei hierfür ein Erb- oder Schenkungsschein vorgelegt werden muss. Ein Verkauf der Grabstätten ist nicht möglich, da diese nicht Privateigentum sind. Ein Verkauf der Bauwerke oder Denkmäler auf den Grabstätten ist durch einen notariellen Vertrag möglich, wo­bei dieser genaue Bestimmungen über die Behandlung der Inschriften auf dem Grabmal enthalten muss.

Die Bezahlung der Gebühren muss im Voraus für eine Dauer von höchstens zwei Jahren erfolgen, wobei zwischenzeitliche Gebührenerhöhungen nachbelastet werden. Über ihre Höhe befindet der Gemeinderat jährlich. Für die Jahre 2011 und 2012 betrugen sie jeweils 6 Lei pro Quadratmeter bzw. 18 Lei für eine Einzelgrabstelle, 34 Lei für eine Doppelgrabstelle und 52 Lei für eine Dreifachgrabstelle.

Die HOG empfiehlt:

  • bei Vorliegen eines gültigen Nachweises mit diesem die Nutzungsrechte an der Grabstätte gegenüber der Friedhofsverwaltung bekannt machen, damit diese ein aktualisiertes Ver­zeich­nis der Nutzer führen kann;
  • falls kein gültiger Nachweis vorliegt, sollte baldmöglichst ein Pachtvertrag bei der Friedhofs­­verwaltung abgeschlossen werden, eventuell über einen Bevollmächtigten in Hatzfeld;
  • eine Person oder Firma des Vertrauens in Hatzfeld mit der Betreuung der Grab­stätte zu beauftragen;
  • die Gebühren regelmäßig entweder selbst oder über einen Bevollmächtigten zu bezahlen.

Römisch-katholische Stadtpfarrkirche St. Wendelin


Die Hatzfelder Stadtpfarrkirche wurde noch im Jahr der Ansiedlung, 1766, in einer dem neoromanischen Stil nachempfundenen Weise errichtet. Der fertig gestellte Bau wurde am 21. Oktober 1770 vom Tschanader Generalvikar Clemens Rossi gesegnet. Da sich angesichts der stark anwachsenden Bevölkerung die Kirche zu klein erwies, wurde sie zwischen 1875-1876 vollkommen renoviert und um ein Querschiff erweitert. Gleichzeitig wurde eine neue Sakristei angebaut. Nach Abschluss der Arbeiten weihte der Tschanader Weihbischof Josef Németh am 30. Oktober 1877 die Kirche neu. Im Jahr 1911 wurde der Turm von 39 auf stolze 53,5 Meter erhöht. Nach einer größeren Renovierungsaktion wurde die Kirche am 20. Oktober 1930 von Augustin Pacha, dem Bischof der Temeswarer Diözese, konsekriert. Die letzte bauliche Maßnahme stammt aus den Jahren 1939/1940, als der Kongregationssaal errichtet wurde.

Der Hochaltar, eine Stiftung des Grafen Andreas Csekonics aus dem Jahr 1877, ist mit seinem Altarbild – ein Werk des Budapester Malers Adalbert Pállik, das in Anlehnung an die Sixtinische Madonna des Raffael Santi die Gottesmutter Maria mit dem Jesuskind darstellt – sowie den beiden Statuen der Hl. Agatha und der Hl. Margaretha ein Prunkstück der Kirche. Außer dem Hauptaltar sind in der Kirche noch vier Seitenaltäre aufgestellt, wovon der Altar des Hl. Johannes Nepomuk, dessen Blatt von dem Budapester Künstler Ignaz Roskovics gemalt wurde, aus der Csekonics’schen Schlosskapelle stammt. Die Fresken und Malereien an den Wänden und an der Decke wurden im Jahr 1929 von dem Arader Kunstmaler Geza Ulrich unter Mithilfe des Hatzfelders Paul Schnur im nazaränischen Stil ausgeführt. Im gleichen Jahr bekam die Kirche eine neue, von der Temeswarer Firma Leopold Wegenstein & Söhne gebaute Orgel. Von den fünf Kirchenglocken wurden vier im Jahr 1924 für die während des Ersten Weltkriegs requirierten Glocken angeschafft, während die fünfte zum alten Glockenbestand der Kirche gehört und aus dem Jahr 1785 stammt.

Die Kirche wird seit 2013 – auch mit finanzieller Unterstützung von Landsleuten und Gönnern aus Deutschland und der Heimatortsgemeinschaft Hatzfeld – einer umfassenden Sanierung und Renovierung unterzogen.

Von den rund 20 Priestern, die im Laufe des fast 250-jährigen Bestehens der katholischen Gemeinde als Seelsorger hier gewirkt haben, sei bloß an Emmerich Csicsáky (1860-1935) erinnert. Der Geistliche, der es zu hohen kirchlichen Ehren brachte (er war päpstlicher Geheimkämmerer und Ehrendomherr der Lateran-Basilika zu Rom) und das Hatzfelder „Jesuleum“ schuf, schrieb Gedichte in lateinischer Sprache und war ein bekannter Dante-Forscher, dessen Werk er mehrere Abhandlungen und Übersetzungen ins Ungarische widmete.

 

 

Römisch-katholische St.-Michaels-Kirche im Vorort Futok

Die in den Jahren 1928/29 nach den Plänen des Hatzfelder Architekten Johann Jänner im Vorort Futok errichtete und am 29. September 1929 vom damaligen Temeswarer Diözesanbischof Augustin Pacha geweihte römisch-katholische Kirche ist der Unternehmerfamilie Bohn zu verdanken, die sämtliche Baukosten übernommen hat. Sie ist dem Gedächtnis von Michael Bohn (1893-1925) und Jakob Bohn (1895-1916) gewidmet und hat den Erzengel Michael als Schutzpatron.

Die Originalität dieses im neogotischen Stil errichteten Gotteshauses besteht darin, dass die für den Bau verwendeten Bau-, Dach- und Spezialziegel, einschließlich der Zierkeramik, eigens in der Bohn’schen Ziegelei hergestellt wurden. Das den Erzengel Michael darstellende Altarbild ist ein Werk Stefan Jägers, aus dessen Atelier zwei weitere Gemälde stammen, die das Kircheninnere zieren. Die drei Kirchenglocken wurden von der Temeswarer Firma Novotny gegossen.

Die Futoker Kirche gilt als ein Glanzstück bodenständiger Architektur und Handwerkskunst, das – wie Prof. Karl-Hans Gross schreibt – „wie ein Schatzkästlein behütet und umsorgt sein will. Trotz ihres ungewöhnlichen Aussehens, welches ihr Einzigartigkeit verleiht, fügt sich die Futoker römisch-katholische Kirche bestens in das Bild des Arbeiterviertels ein.

 

 

Seelsorger der römisch-katholischen Pfarrei Hatzfeld

 

1766 – 1767    Sebastian Anton Josef Blenkner

1767                           Georg Pulzer

1768 – 1780    Karl Josef Bretterreich

1780 – 1792    Johannes W. Lausmann

1792 – 1794    Martin Risinger

1794 – 1815    Anton Jakabfalvy

1815 – 1827    Peter Löth

1828 – 1832    Wenzeslaus Fischer

1832 – 1866    Josef Siebermajer

1866 – 1896    Jakob Nussbaum

1896 – 1915    Emmerich Csicsáky von Prekuba und Jakuba

1915 – 1936    Franz Neff

1936 – 1945    Josef Engelhardt

1945 – 1951    Josef Kilian

1951 – 1952    Péter Vöő

1952 – 1992    Michael Sauer

1992 – 1995    Johann Ghinari

1995 – 2009    Károly Nagy

2009 – 2013    István Kovács

Ab 2013          Dr. Davor Lucacela

 

Literatur über Hatzfeld

  1. in deutscher Sprache

1.1. Druckwerke

  • Müller-Thoreße-Pheder seim Sohn [d.i. Franz Kaufmann]: Unser Jubeljahr. Denk­schrift anläßlich des 150-jährigen Bestandes der Großgemeinde Zsombolya (Hatzfeld) 1766-1916. – [Bu­dapest]: Selbstverlag, 1916. – 12 S.
  • Paul Martin: Ortsgeschichte von Hatzfeld. – Temeschburg: Banater Buchverlag H. Anwender & Sohn, 1943. – 66 S.
  • Alexander Krischan: 200 Jahre Hatzfeld im Banat (1766-1966). Eine Bibliographie. Hrsg.: Landsmannschaft der Donauschwaben in Baden-Württemberg. – Stuttgart, 1972. – 53 S. (Donauschwäbisches Schrifttum; Bd. 17)
  • Eine Ortschronik der Heidestadt im rumänischen Banat. Mit 37 Abbildungen, dem Ansiedlungsplan und der Namensliste der Ansiedler aus dem Jahre 1767. – o.O., 1983. – 72 S.
  • Hans Werner Krutsch, Hildegard Neidenbach, Robert Kaiser: Hatzfeld in Wort und Bild. Hrsg.: Kulturgesellschaft Hatzfeld. – Nürnberg, 1990. – 308 S.
  • Anton Peter Petri (Red.): Heimatbuch des Heidestädtchens Hatzfeld im Banat. Hrs­g.: Heimatortsgemeinschaft Hatzfeld. – o.O., 1991. – 1064 S. + Beil.
  • Emmerich Henz (Hrsg.): Familienbuch Hatzfeld. Die ersten 100 Jahre im Spiegel der Matrikel der röm.-kath. Pfarrkirche (Hatzfeld, Klari, Tschene, Ketscha, Dt.-Zerne und herrschaftliche Domänen) 1766-1866. – Rheda-Wiedenbrück, 1998. – [24], 1143 S. (Deutsche Ortssippenbücher, Reihe B; Bd. 169)

1.2. Periodische Publikationen

  • Heimatblatt Hatzfeld. Hrsg.: Heimatortsgemeinschaft Hatzfeld. 1 (1991) – 22 (2015)

1.3. Elektronische Medien

  • Walter Tonţa: Ansehen, Reichtum, Einfluss. Die Geschichte der Adelsfamilie Csekonics und ihrer Hatzfelder Herrschaft. Ulm, 2008. CD-ROM
  • Primăria Oraşului Jimbolia / HOG Hatzfeld: Jimbolia – Hatzfeld. Bad Nauheim: Banat Media – Verlag für elektronische Medien, 2010. CD-Card (rumänisch-deutsch)

 

  1. in rumänischer Sprache
  • Johann Vastag, Hans Vastag: Monografia oraşului Jimbolia [Monografie der Stadt Hatzfeld]. – Jimbolia: Ed. Kabor, 1995. – 171 S.
  • Dragomir Ciobanu: Valori şi tradiţii. Momente din universul spiritual al oraşului Jimbolia (1945-2004) [Wer­te und Traditionen. Momente aus dem geisti­gen Le­ben der Stadt Hatzfeld (1945-2004)]. – Timişoara: Solness, 2004. – 239 S.
  • Sorin Pavel: Ghidul oraşului Jimbolia [Stadtführer Hatzfeld]. – Timişoara: Artpress, 2004. – 66 S., 38 S. Bildtaf.; 2 – 149 S.; 32013. – 141 S.
  • Dragomir Ciobanu: Personalităţi din Panteonul Jimboliei [Persönlichkeiten aus dem Hatzfelder Pantheon]. 3 Bde. – Timişoara: Artpress, 2011; 2013; 2015. – 211 S., 250 S., 182 S. [Band 2 in Zusammenarbeit mit Walter Tonţa]
  • Valerică Niculescu: Viaţa muzicală a Jimboliei [Das Hatzfelder Musikleben]. – Timişoara: Artpress, 2012. – 102 S.
  • Maria Schulz: Arc peste timp. Artele frumoase în Jimbolia între 1900-2013 [Bogen über die Zeit. Die schönen Künste in Hatzfeld zwischen 1900-2013]. – Timişoara: Artpress, 2014. – 119
  • Dragomir Ciobanu, Marian Rotaru: Două decenii de jurnalism în Jimbolia [Zwei Jahrzehnte Journalismus in Hatzfeld]. – Timişoara: Artpress, 2015. – 127 S.
  • Geselliges Leben

WIRTSCHAFT

 Landwirtschaft

Die Landwirtschaft war bis Mitte des 20. Jahrhunderts der wichtigste Wirtschaftszweig in Hatzfeld. Der Großteil der Bevölkerung betrieb Ackerbau und Viehzucht. Bedingt durch das günstige Klima, den fruchtbaren Schwarzboden, den Konsumbedarf und die betriebswirtschaftlichen Vorteile, erlangte der Getreideanbau, wobei sich Weizen und Mais am besten bewährt haben, die weitaus größte Bedeutung. Dank ihres Fleißes, der stetigen Verbesserung des Saatgutes und der Anbaumethoden, der Einführung landwirtschaftlicher Maschinen und der intensiven Bewirtschaftung der Felder ist es den Hatzfelder Bauern gelungen, die Erträge ständig zu steigern und die Qualität ihrer Erzeugnisse zu verbessern. Sie erzielten nicht nur im Banater, sondern auch im europäischen Maßstab damaliger Zeit Spitzenerträge. Beispielsweise wurden 1940 bei einem durchschnittlichen Ertrag von je drei Tonnen pro Hektar 9120 Tonnen Winterweizen und 8487 Tonnen Körnermais erzeugt. Der Banater Weizen war seiner hervorragenden Qualität wegen gefragt und fand in ganz Europa guten Absatz. Als sich der Weizenanbau in den 1930er Jahren wenig rentabel erwies, wurden zum einen der Anbau von Sonderkulturen und Industriepflanzen erweitert und zum anderen die Tierzucht und -mast intensiviert. Die Hatzfelder Bauern verfügten 1941 über einen beachtlichen Bestand an Landwirtschaftsmaschinen: 1200 Ein- bis Dreischarpflüge, 450 Sä- und 350 Mähmaschinen, 500 Hack- und Häufelpflüge, 100 Pferderechen, 30 Großdreschmaschinen sowie 10 Schlepper und Traktoren.

Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts wurde die Viehhaltung hauptsächlich für den Eigenbedarf betrieben, während die Pferde vorwiegend als Zugtiere benützt wurden. In den 1920er und 1930er Jahren intensivierte man bei günstigen Exportbedingungen die Schweinemast und die Rinderzucht, wobei erstere einen enormen Aufschwung erlebte und zur Haupteinnamequelle der Hatzfelder Bauern wurde. Durch Ankauf und Zucht wertvoller Milchkühe machte auch die Milchwirtschaft erhebliche Fortschritte. Die Schafzucht diente ausschließlich dazu, den Eigenbedarf an Fleisch, Wolle und Milch zu sichern. 1940 betrug der Bestand an Nutzvieh 1426 Pferde, 2647 Schweine, 1150 Rinder und 1963 Schafe.

Die nach 1944 eingeleiteten Maßnahmen – die Totalenteignung der deutschen Bauern und die Zuteilung von Fünf-Hektar-Flächen an die einheimischen Rumänen und Ungarn sowie an die zugewanderten Kolonisten auf Grund der Agrarreform vom März 1945, die Gründung eines staatlichen Landwirtschaftsbetriebs im Jahr 1948, die Kollektivierung der Landwirtschaft ab 1949 und die Schaffung einer Kollektivwirtschaft im darauf folgenden Jahr – führten zu grundlegenden Veränderungen in der Landwirtschaft. Zum einen büßte sie ihre Bedeutung als Hauptwirtschaftszweig ein, zum anderen erreichte sie nicht mehr, trotz aller Fortschritte, den hohen Stand und die vorbildliche Organisation der Vorkriegszeit.

Gewerbe

Allein durch ihre Größe und Einwohnerzahl hob sich die Gemeinde Hatzfeld von Anfang an über die umliegenden Ortschaften hinaus und entwickelte sich rasch zu einem Marktflecken, was natürlich den Aufschwung des Handwerks begünstigte. Die große Zahl der Handwerker, die Bandbreite der vertretenen Berufe, die Existenz einer Gewerbelehrlingsschule, die 1885 eröffnet wurde und mehrere Generationen von Handwerkern ausgebildet hat, sowie die Veranstaltung großer Gewerbeausstellungen und Jubiläumsfeiern belegen zum einen den hohen Stellenwert des Handwerks im Wirtschaftsleben der Großgemeinde Hatzfeld und zum anderen deren Rolle als Gewerbezentrum für die ganze Umgebung. Der Gewerbestand hat zudem mit dem 1884 gegründeten Handels- und Gewerbekasino und seinem 1893 ins Leben gerufenen Gesangverein das gesellschaftliche und kulturelle Leben der Gemeinde bis zum Zweiten Weltkrieg befruchtet und gefördert.

Die Tradition des organisierten Handwerks reicht bis in das Jahr 1823 zurück, als einerseits den Hatzfelder Gewerbetreibenden durch kaiserliches Diplom das Zunftprivileg zugesprochen wurde, und andererseits ein Statut das organisatorische Gefüge der Zünfte sowie die Rechte und Pflichten der Lehrlinge, Gesellen und Meister festlegte. Sechs Jahrzehnte später, im Jahr 1884, trat an die Stelle der nicht mehr zeitgemäßen Zünfte die Gewerbekorporation, die dann weitere sechzig Jahre, bis 1944, Bestand hatte. 1925 waren 370 Handwerksmeister korporativ erfasst. Dem „Hatzfelder Volksblatt“ vom 15. Mai 1927 zufolge, verzeichnete Hatzfeld damals 1195 Gewerbetreibende, Handelsangestellte und Lehrlinge, eine stattliche Zahl im Vergleich zur Gesamtbevölkerung von 12.122 Einwohnern! Dank ihrer ausgezeichneten beruflichen Qualifikation und der hervorragenden Qualität ihrer Erzeugnisse genossen die Hatzfelder Handwerker einen guten Ruf. Stellvertretend für den ganzen Gewerbestand sei hier nur einer genannt: der im ganzen Banat bekannte Bandagen- und Prothesenerzeuger Peter Schwarz (1873-1963), dessen Produkte auch international Anerkennung fanden (Goldmedaillen in Paris 1910 und Rom 1912 sowie Großer Preis der Internationalen Handels- und Industrieausstellung in Paris 1910). Die großen Gewerbeausstellungen, die anlässlich der Hundertjahrfeier des organisierten Handwerks in Hatzfeld im Jahr 1924 und des 50jährigen Jubiläums der Gewerbekorporation sowie des Handels- und Gewerbekasinos im Jahr 1934 veranstaltet wurden, zeugten von der Vielfalt der handwerklichen Berufe, vom meisterhaften Können und den Kunstfertigkeiten der Gewerbetreibenden und von deren stetigem Bemühen, die vielseitigen Bedürfnisse der Kunden zu befriedigen, die Arbeitseffizienz zu steigern und die Qualität ihrer Produkte zu verbessern.

Die 1948 einsetzende sozialistische Umgestaltung der Wirtschaft erfasste auch das Handwerk, dem eine genossenschaftliche Organisationsform aufgezwungen wurde. Die 1952 gegründete Handwerkergenossenschaft „Viitorul“ spielte im Wirtschaftsleben der Heidestadt jahrzehntenlang eine wesentliche Rolle und nahm einen Spitzenplatz unter den einschlägigen Unternehmen des Kreises Temesch und des Landes ein. Infolge der stetigen Diversifikation des Dienstleistungs- und Warenangebots stieg die Zahl der Abteilungen bis 1986 auf 60 (wobei 40 unterschiedliche Wirtschaftsbereiche vertreten waren), die der Mitglieder auf 668. Ein besonderes Ereignis in der Unternehmensgeschichte war die groß angelegte 150-Jahrfeier des organisierten Handwerks in Hatzfeld im Spätsommer 1973.

Industrie

Mit der Gründung des Bohnschen Ziegeleiunternehmens und dem Beginn der fabriksmäßigen Ziegelproduktion im Jahre 1874 hält auch die Industrie Einzug in die bislang von der Agrar- und gewerblichen Wirtschaft geprägte Großgemeinde Hatzfeld. Nach und nach entstanden weitere Ziegeleien, große Mühlenbetriebe, Hutfabriken und sonstige Unternehmen, so dass sich Hatzfeld zum bedeutendsten Industriestandort unter den Banater ländlichen Ortschaften entwickelte. Hatzfelder Erzeugnisse – von den Bohn’schen Dach- und Mauerziegeln, den Hüten und Stumpen über die Schuhe und Knöpfe bis zu dem hier hergestellten Mehl – waren dank ihrer vorzüglichen Qualität weit über die Landesgrenzen bekannt und begründeten den guten Ruf unseres Heimatortes.

Von den in Hatzfeld vertretenen Branchen nahm die Ziegelindustrie die wichtigste Rolle ein. Aus bescheidenen Anfängen entwickelte sich das von Stefan Bohn gegründete und von dessen Nachkommen stetig erweiterte und modernisierte Unternehmen zu einem gewaltigen Konzern, dessen Herzstück die Hatzfelder Ziegelfabrik war. Das Bohn’sche Ziegeleiunternehmen avancierte zum größten dieser Art in der österreichisch-ungarischen Doppelmonarchie und auch später, nach dem Anschluss unserer Heimatgemeinde an Rumänien, war die Hatzfelder Fabrik der bedeutendste Baumaterialienerzeuger im Lande. Die Bohn-Produkte, vor allem die mit dem Markenzeichen des Löwen versehenen Dachziegel, waren überall bekannt und geschätzt und wurden in viele Länder exportiert. Von den weiteren in Hatzfeld entstandenen Ziegeleien konnte auf längere Dauer nur die 1903 unter dem Namen „Hungaria“-Dampfziegelei gegründete Threiß’sche Ziegelfabrik der Konkurrenz des mächtigen Bohn-Unternehmens standhalten; die Weltwirtschaftskrise anfangs der 1930er Jahre überstand sie jedoch nicht.

Ihrer außerordentlichen Leistungsfähigkeit wegen nahm die Hatzfelder Mühlenindustrie bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs einen hervorragenden Platz im Banat ein. Das älteste und zugleich größte Unternehmen dieser Branche war die 1880 gegründete Hatzfelder Dampfwalzmühle (auch „Große Mühle“, später Prohaska-Mühle genannt), deren Ausstattung dem jeweils neuesten Stand der Technik entsprach. Hinzu gesellten sich im letzten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts die „Pannnonia“-Dampfmühle (auch „Kleine Mühle“ genannt) und im Jahre 1909 die „Reform“-Dampfwalzmühle. Letztere musste nach zwei Jahrzehnten ihren Betrieb einstellen. Das in den drei Hatzfelder Mühlen erzeugte Mehl war von vorzüglicher Güte und weithin, auch über die Landesgrenzen hinaus, bekannt.

Im In- und Ausland gefragt waren auch die in Hatzfeld hergestellten Stumpen und Hüte. Ihren Anfang nahm diese Branche im Jahre 1878, als Rudolf Decker eine Hutmacherwerkstätte gründete, aus der sich im Laufe der Zeit ein moderner Großbetrieb entwickelte. Dieser stellte neben Woll- und Lodenstumpen sowie Hüten aller Art wetterfeste Lodenhüte her, die ihrer Dauerhaftigkeit wegen den besten Ruf genossen. Die 1908 ins Leben gerufene und wiederholt vergrößerte „Union“-Hutfabrik erzeugte Stumpen und Hüte aus Wolle, später auch aus Haar in feinster Ausführung und bester Qualität.

Einen wichtigen Anteil am wirtschaftlichen Aufschwung der Großgemeinde Hatzfeld hatten – neben den bereits erwähnten – auch andere Industriezweige, die sich auf die Herstellung von Schuhen, Kämmen und Knöpfen sowie Hutformen spezialisiert haben. Die Anfänge der Schmidt’schen Schuhfabrik gehen auf das Jahr 1907 zurück. Der Betrieb expandierte nach und nach und erreichte in der Zwischenkriegszeit seine Blütezeit. Die in guter Qualität und zu billigen Preisen angebotenen Schmidt-Schuhe waren überall im Banat ein Begriff. Erfolgreich erwiesen sich auch zwei Neugründungen der Jahre 1920/21: die von Josef Schnur gegründete Kamm- und Knopffabrik „Venus“ sowie der Hutformerzeugungsbetrieb des Adolf Trink. Erstere entwickelte sich zur größten und modernsten Fabrik dieser Art in Rumänien, während letzterer als Spezialunternehmen in ganz Südosteuropa einzigartig war.

All diese Unternehmen, die Hatzfeld zu einem blühenden Industriestandort auf der Banater Heide machten, wurden 1948 verstaatlicht. Danach dominierten drei Unternehmen das wirtschaftliche Leben der Stadt: die Ziegelfabrik „Ceramica“ (ehemals Bohn’sche Ziegelei), die aus den beiden Betrieben von Peter Schmidt und Michael Merky hervorgegangene Schuhfabrik (zeitweilig „Horia“) sowie die unter dem Namen „Szabό Árpád“ nationalisierte „Venus“-Knopffabrik, die später in Knopf- und Plastmassenfabrik umbenannt wurde. Durch die Zusammenlegung der beiden Hutfabriken entstand die Hutfabrik „Schmidt Matei“, die 1955 in die Temeswarer Hutfabrik eingegliedert wurde. Während sämtliche Maschinenanlagen der „Pannonia“-Mühle – hier entstand später eine dem Schweinemastkombinat Comtim eingegliederte Mischfutterfabrik – als Reparationsleistung in die damalige Sowjetunion abtransportiert wurden, führte die einstige „Prohaska“-Mühle zunächst ein kümmerliches Dasein, bis sie ganz stillgelegt wurde. Zu erwähnen bleibt noch die nach dem Zweiten Weltkrieg als Privatunternehmen gegründete und kurz darauf verstaatlichte Hanffabrik.

Bank- und Kreditwesen

Zwecks Deckung des wachsenden Kapitalbedarfs der einzelnen Wirtschaftszweige und Schaffung vorteilhafter Geldanlagemöglichkeiten für die Bevölkerung wurden in Hatzfeld ab 1869 einige Geld- und Kreditanstalten ins Leben gerufen. Als erste entstand die „Hatzfelder Sparkassa“. 1881 kam der „Hatzfelder Spar- und Kreditverein“ (später „Banater Zentralbank“) hinzu, sechs Jahre später erfolgte die Gründung der „Hatzfelder Volksbank“. Hinter all diesen Banken stand die wohlhabende Bauernschicht. Den Bedürfnissen des Handels- und Gewerbestands trug die 1891 gegründete „Hatzfelder Handels- und Gewerbebank“ Rechnung, die jedoch während des Ersten Weltkrieges in Konkurs ging. Im Jahr 1909 nahm die „Hatzfelder Verkehrsbank“ ihre Tätigkeit auf. Im Laufe von vier Jahrzehnten sind somit fünf Geld- und Kreditinstitute entstanden, so dass Hatzfeld als bedeutendstes Bankzentrum unter den Banater ländlichen Ortschaften galt.

Nach dem Anschluss der Gemeinde an Rumänien verloren die hiesigen Banken – mit Ausnahme der Volksbank – durch Fusion mit der Temeswarer „Schwäbischen Zentralbank“ bzw. mit dem „Banater Bankverein“ ihre Selbständigkeit. Die schwere Weltwirtschaftskrise der 1930er Jahre führte schließlich zum Bankrott der „Hatzfelder Volksbank“ und brachte damit das Ende der selbständigen Geldinstitute in Hatzfeld. Bis 1944/48, als die deutschen Banken enteignet und die anderen verstaatlicht wurden, unterhielten einige Temeswarer Großbanken Filialen in Hatzfeld.

Die Hatzfelder Bank- und Kreditanstalten haben wesentlich zur Förderung des gesamten Wirtschaftslebens und zum Aufblühen der Gemeinde beigetragen.

Verkehr

Dass Hatzfeld 1857 an das Eisenbahnnetz angeschlossen wurde, was einen gewaltigen wirtschaftlichen Aufschwung der Großgemeinde zur Folge hatte, ist Johann Csekonics zu verdanken. Durch seine Interventionen in Wien und bei der „K.k. Priv. Österreichischen Staats-Eisenbahn-Gesellschaft“ (STEG) sowie durch die unentgeltliche Überlassung des zum Bau der Eisenbahn notwendigen Feldes hat er erreicht, dass der Schienenstrang von Szeged nach Temeswar nicht, wie ursprünglich geplant, über Großsanktnikolaus und Großkomlosch, sondern über Hatzfeld gelegt wurde. Am 15. November 1857 konnte die Linie Szeged-Temeswar eröffnet werden. Damals wurde auch der Hatzfelder Bahnhof eingeweiht. Dem zunehmenden Güter- und Personenverkehr Rechnung tragend, kam es um 1900 zur Erweiterung des Bahnhofs und zur Errichtung eines neuen Stationsgebäudes.

1895 wurde die 41 Kilometer lange Strecke Pardan-Hatzfeld in Betrieb genommen und damit in Verbindung eine zweite Station im Osten der Gemeinde angelegt. Die 1898/99 erbaute, 67,6 Kilometer lange Schmalspurbahn verband Hatzfeld mit dem Komitatssitz Großbetschkerek. Als Abzweigung der über Lovrin führenden Linie Großkikinda-Neuarad wurde 1906 die Trasse Hatzfeld-Lovrin (26,7 Kilometer) dem Verkehr übergeben. Hatzfeld wurde dadurch zu einem wichtigen Eisenbahnknotenpunkt, aus dem Bahnlinien nach fünf Richtungen ausstrahlten. Infolge des Anschlusses der Gemeinde an Rumänien im Jahr 1924 wurden der Eisenbahnverkehr nach Großbetschkerek und Pardan eingestellt. In Richtung Jugoslawien blieb allein die Verbindung nach Kikinda erhalten.

 

Pressewesen

Hatzfeld kann auf eine reiche und lange Pressetradition zurückblicken. In den knapp sechs Jahrzehnten zwischen 1883 und 1941 sind hier 12 Zeitungen und Zeitschriften erschienen. Die ersten Publikationen, die Hatzfelder Sonntags-Zeitung (1883-1884) und Südungarischer Bauer (1885-1888), hatten nur eine kurze Erscheinungsdauer. Die bedeutendste und langlebigste Publikation war die 1888 von Rudolf Wunder ins Leben gerufene Hatzfelder Zeitung, die zeitweise unter dem Titel Zsombolyaer Zeitung erschien. Langjähriger Schriftleiter der Zeitung war nach dem Ersten Weltkrieg der Dichter Peter Jung. Nach 54jährigem ununterbrochenem Erscheinen wurde sie 1941 von der Führung der Deutschen Volksgruppe in Rumänien eingestellt. Anfang des 20. Jahrhunderts sind einige Jahre auch zwei ungarische Wochenblätter erschienen: Zsombolyai Közlöny („Hatzfelder Mitteilungen“, 1901-1903) und Zsombolya (1901-1904). Auf zehn Jahrgänge kam das Zsombolyaer Politische Volksblatt, das zwischen 1906 und 1915 als zweite deutsche Wochenzeitung in Hatzfeld herausgebracht wurde. Mit dem Hatzfelder Volksblatt verfügte die Großgemeinde ab 1924 abermals über ein zweites Lokalblatt, das aber die Wirtschaftskrise anfangs der 1930er Jahre nicht überstand. In die Reihe der in Hatzfeld gedruckten Zeitungen reihen sich auch zwei sozialdemokratische Presseorgane ein: Vorwärts (1920-1923) und Banater Arbeiter-Presse (1925-1927).

Von 1941 an hatte Hatzfeld über ein halbes Jahrhundert keine eigene Zeitung mehr, sieht man von dem in der Regel monatlich erscheinenden Heideblatt, der Sonderseite für Hatzfeld der „Neuen Banater Zeitung“ (Temeswar), ab. Die erste Ausgabe erschien im September 1971, die letzte im Januar 1990. Erst im Februar 1995 bekam Hatzfeld mit dem Wochenblatt Observator de Jimbolia („Hatzfelder Beobachter“) wieder eine Lokalzeitung, die bis Oktober 2000 erschien. Die Nachfolgepublikation Noul Observator („Neuer Beobachter“) konnte sich nicht als Regionalzeitung etablieren und stellte ihr Erscheinen im August 2002 ein. Nach nur sieben Ausgaben (Februar – Mai 2003) ging auch das Blatt Jimbolianul („Der Hatzfelder“) ein. Ab März 2004 erschien dann Gazeta de Jimbolia („Hatzfelder Zeitung“), aus der im Juni 2007 die Wochenzeitung Gazeta bănăţeană („Banater Zeitung“) hervorgegangen ist. Mittlerweile wurde auch diese eingestellt, so dass in Hatzfeld derzeit keine Zeitung mehr erscheint.

Schulwesen

 Kaiserin Maria Theresia verfügte 1768 den Bau eines Schulhauses und die Anstellung eines Schulmeisters. Das Schulgebäude wurde neben der katholischen Kirche und dem Pfarrhaus errichtet. Neben dieser so genannten Zentralschule wurden im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts die Viertelschulen errichtet. 1888 gab es in der Gemeinde zehn Klassenzimmer mit zehn Lehrern und 1154 Schülern. Die 1901 erfolgte Übergabe der Gemeindeschule an den Staat führte zu einer verstärkten Magyarisierung. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde Deutsch wieder Unterrichtssprache, das Pflichtfach Ungarisch durch das Serbische, später durch das Rumänische ersetzt. Der zunehmenden Romanisierung des Volksschulwesens konnte zwar in der Volksgruppen-Ära (1940-1944) Einhalt geboten werden, die Schule wurde jedoch ideologisch instrumentalisiert.

Die Anfänge des Mittelschulwesens reichen bis in das Jahr 1872 zurück, als Hatzfeld eine vierklassige Knaben-Bürgerschule erhielt. Da es sich um eine staatlich subventionierte Gemeindeschule handelte, wurde die deutsche Unterrichtssprache im Laufe der Jahre durch das Ungarische verdrängt. Die Schule wurde 1920 aufgelöst. Das im Jahr 1902 auf Initiative des Hatzfelder Pfarrers Emmerich Csicsáky gegründete Jesuleum umfasste ein Waisenhaus, einen Kindergarten, eine Volks- und eine Mittelschule für Mädchen. Es war eine konfessionelle, von Ordenschwestern betreute Lehranstalt. Unterrichtet wurde bis 1919 in ungarischer, danach in deutscher Sprache. Als Folge der Schulreform musste das Jesuleum seine Tätigkeit 1948 einstellen.

Das 1919 auf Grund eines Beschlusses des Hatzfelder Gemeinderates und mit Zustimmung der serbischen Behörden gegründete achtklassige Realgymnasium (1919-1924) war das erste Vollgymnasium in der Geschichte Hatzfelds und zugleich die erste höhere deutsche Schule im südslawischen Königreich. 1920 erfolgte die Verstaatlichung der Schule, die mit dem Ende der serbischen Herrschaft 1924 nach Werschetz verlegt wurde.

Ab dem Schuljahr 1924/25 funktionierte in Hatzfeld ein staatliches vierklassiges Untergymnasium mit deutscher Unterrichtssprache. Die schrittweise romanisierte Schule wurde 1932 geschlossen. Daraufhin wurde im gleichen Jahr das Deutsche römisch-katholische Knabengymnasium errichtet, eine von der römisch-katholischen Kirchengemeinde getragene Schule mit deutscher Unterrichtssprache. Von 1934 bis 1938 funktionierte in Hatzfeld auch ein staatlich gemischtes Gymnasium mit rumänischer Unterrichtssprache. 1942 übernahm die Deutsche Volksgruppe das Knabengymnasium und gründete zusätzlich ein Deutsches Mädchengymnasium. Beide Schulen mussten ihre Tätigkeit 1944 einstellen.

1945 nahm das Deutsche römisch-katholische Knabengymnasium seine Tätigkeit wieder auf. Bis 1948, als das konfessionelle Schulwesen verstaatlicht wurde, war es die einzige deutsche Mittelschule des Banats.

Durch die Schulreform von 1948 wurden in Hatzfeld drei selbständige siebenklassige Elementarschulen mit rumänischer, deutscher und ungarischer Unterrichtssprache ins Leben gerufen. Obwohl diese Schulen marxistisch-leninistische Erziehungsziele und -inhalte verfolgten, gewährleisteten sie den Unterricht in der jeweiligen Muttersprache. Mit der Konstituierung einer 8. Klasse im Rahmen der deutschen und der rumänischen Schule im Jahr 1955 wurden die Grundlagen für den Lyzealunterricht geschaffen; die ersten Absolventen maturierten 1959. Ende der 1950er Jahre kam es zur Vereinigung der drei Schulen und zur Schaffung einer so genannten „sozialistischen Einheitsschule“. Damals erhielten auch die Ungarn Lyzealklassen. Infolge der 1963 vollzogenen räumlichen und organisatorischen Trennung der Gymnasial- und Mittelschulklassen entstand die Hatzfelder Allgemeinschule, während die in „Real-humanistisches Lyzeum“ umbenannte Mittelschule eine selbständige Lehranstalt wurde. An beiden Schulen existierten jeweils drei Abteilungen: eine rumänische, eine deutsche und eine ungarische. Die ungarische Lyzealabteilung bestand bis Anfang der 1970er Jahre, die deutsche bis Anfang der 1990er Jahre. 1977 wurde das theoretische Lyzeum in ein Industrielyzeum umgewandelt und ein Jahr später mit dem Lyzeum für Industriechemie zusammengelegt. Letzteres war 1974 aus der 1963 ins Leben gerufenen „Ceramica“-Berufsschule hervorgegangen. Eine ähnliche Entwicklung nahm auch die 1955 gegründete Landwirtschaftliche Berufsschule, die ebenfalls in ein Fachlyzeum umgewandelt wurde. Das Berufsschulwesen kann in Hatzfeld auf eine lange Tradition zurückblicken. Bereits 1885 war die Gewerbelehrlingsschule entstanden, die in ihrer fast 70jährigen Existenz viele Handwerkergenerationen ausgebildet hat. Die Schule wurde 1952 aufgelöst.

Kulturelles Leben

Außer der Pflege des Volkslieds und des Kirchengesangs sind bis Mitte des 19. Jahrhunderts keine besonderen kulturellen Entfaltungen festzuhalten. Erst in der zweiten Jahrhunderthälfte wird die Musik von den Hatzfelder Bürgern nicht nur als edler Zeitvertreib angesehen, sondern als ein wichtiger Kulturfaktor geschätzt und gepflegt. Bereits 1859 ist eine Streichkapelle bezeugt und sechs Jahre später erfolgte die Gründung des „Hatzfelder Männergesangvereins“, des ältesten uns bekannten Geselligkeitsvereins in Hatzfeld. Die vor einiger Zeit entdeckten Dokumente aus dem Vereinsarchiv zeugen von einer blühenden Musikkultur in unserem Heimatort und am Hof des Grafen Csekonics. Schon um 1870 waren sämtliche Instrumente, von den Streich- über die Holzblas- bis hin zu den Blechblasinstrumenten, vorhanden. Eine wichtige Rolle im gesellschaftlichen Leben der Gemeinde spielte die Blaskapelle, die beim Sonntagstanz in den Wirtshäusern und bei brauchtumsgebundenen Veranstaltungen im Jahreslauf zum Einsatz kam und über viele Jahrzehnte den Festen und Feiern eine eigene Note verlieh.

Entsprechend der beruflichen Gliederung der Bevölkerung trugen auch die kulturellen Vereine, die im Laufe der Zeit ins Leben gerufen wurden, ständisches Gepräge. Der 1893 gegründete Gewerbegesangverein und der von der Bauernschaft 1919 ins Leben gerufene Gesang- und Sportverein „Landestreu“ prägten das kulturelle Leben der Gemeinde bis 1944. Unter der Leitung der Chormeister Josef Linster und Emmerich Bartzer entfalteten die beiden Vereine eine rege und vielfältige Tätigkeit (Liederabende, Aufführung von Singspielen, Operetten, Theaterstücken, Passionsspielen usw.) und erzielten bei Chorwettbewerben regelmäßig Preise. Dank dieser herausragenden Leistungen genossen sie einen guten Ruf im ganzen Banat. Davon zeugen auch die Teilnahme von über 30 Gesangvereinen an der Fahnenweihe des „Landestreu“-Vereins im Jahr 1930 sowie die Beteiligung des gemischten „Landestreu“-Chors am 12. Bundesfest des Deutschen Sängerbundes in Breslau im Jahr 1937, verbunden mit Auftritten in zwanzig deutschen Städten. Neben dem Gewerbegesangverein und dem „Landestreu“-Chor entstand 1934 der von Arbeitern und Angestellten der Bohn’schen Ziegelei gegründete Arbeiter-Männerchor, dessen Tätigkeit jedoch infolge des Zweiten Weltkriegs zum Erliegen kam. Mit dem 1929 eingeweihten Sängerheim der Gewerbetreibenden, dem im gleichen Jahr fertig gestellten Bauernheim und dem sechs Jahre später errichteten Bohn’schen Kulturheim verfügte jeder Kulturverein über ein eigenes Heim.

Die nach dem Zweiten Weltkrieg im Rahmen des Kulturhauses, der Schulen und der Unternehmen entfaltete kulturelle Tätigkeit stand unter anderen Vorzeichen. Die Kulturinstitutionen und -formationen hatten die Vorgabe der kommunistischen Partei, wonach die Kultur „sozialistisch im Inhalt und national in der Form“ sein müsse, umzusetzen. Trotz der ideologischen Zwänge, denen der Kulturbetrieb ausgesetzt war, hatten die einzelnen Nationalitäten die Möglichkeit, ihre Kultur und ihr Brauchtum zu pflegen. Im Laufe der Zeit bestand eine Vielzahl von Kulturformationen (Chöre, Blaskapelle, halbsinfonische, Volksmusik- und Unterhaltungsorchester, Volkstanzgruppen, Laientheaterformationen usw.) von unterschiedler Lebensdauer und unterschiedlichem künstlerischem Niveau. Erwähnenswert sind die Hatzfelder Blaskapelle unter der Leitung von Mathias Svoboda, das halbsinfonische und das Deutsche Volksorchester, beide von Emmerich Bartzer gegründet und dirigiert, die Volksmusikformation „Schwabenkinder“ (Leitung Nikolaus Maser), das Unterhaltungsorchester „Thomas“ (Leitung Thomas Schmidt), die von Franz Bartzer betreute ungarische Volkstanzgruppe sowie die Musikveranstaltungen des Lyzeums unter der Leitung von Walter Kindl.

Im Laufe der Zeit wirkten in Hatzfeld namhafte Kulturschaffende. Neben den bereits genannten Musikern seien die Lyriker Porse Vilmos (1858-1914), Paul Moussong (1861-?) und Peter Jung (1887-1966), der Schriftsteller Karl von Möller (1876-1943) sowie der Übersetzer und Dante-Forscher Csicsáky Imre (1860-1935) erwähnt. Auch die Bildende Kunst ist durch bedeutende Persönlichkeiten vertreten, allen voran der Maler Stefan Jäger (1877-1962) und der Bildhauer Peter Berberich (1906-1989). In den 1960er und 1970er Jahren befruchtete der rumänisch-orthodoxe Priester und Gelehrte Mihail Avramescu (1909-1983) das geistige Leben der Heidestadt. Außerhalb ihres Heimatortes wirkten der Publizist, Zeitungsherausgeber und Buchautor Karl Kraushaar (1858-1938), der Maler Rudolf Burghardt (1884-1963), der an der Budapester Akademie der Bildenden Künste lehrte, der Architekt Johann Jänner (1890-1965) sowie der Journalist, Literatur- und Theaterkritiker Emmerich Reichrath (1941-2006).

„Floriani“ – das Wahrzeichen von Hatzfeld

In der Mitte von Hatzfeld, an der Kreuzung der beiden Hauptstraßen, steht das Floriansdenkmal, als „Floriani“ unter unseren Landsleuten schlechthin bekannt. Das monumentale, 6,76 Meter hohe, aus grauem Sandstein gefertigte Bauwerk ist das Wahrzeichen Hatzfelds.

Wann das Standbild errichtet wurde, wird wohl für immer ein Rätsel bleiben. Zweifelsohne steht dies mit den verheerenden Feuersbrünsten im Zusammenhang, von denen unser Heimatort mehrfach heimgesucht wurde. Ob das Denkmal, wie von Thomas Breier behauptet, unmittelbar nach der Feuersbrunst von 1783, die rund ein Drittel der Gemeinde verwüstet haben soll, errichtet wurde oder ob es, wie von Anton Reichrath und Eduard Jankovits angenommen, im Gefolge der furchtbaren Feuersbrunst von 1866 entstand, der 42 Wohnhäuser zum Opfer fielen, lässt sich dokumentarisch ebenso wenig belegen wie die Überlieferung, wonach das Standbild ursprünglich an einer anderen Stelle – und zwar in der Hauptgasse, vor dem heutigen Altersheim – gestanden haben soll. Rätsel wirft auch die im Postament eingravierte Jahreszahl 1866 auf, die sich entweder auf das 100jährige Bestehen der Ortschaft oder auf die schon erwähnte Feuersbrunst beziehen kann, aber nicht auf die Errichtung des Denkmals.

Andere Heimatforscher, wie Karl-Hans Gross und Johann Vastag, legen sich nicht auf eine Jahreszahl fest und weisen, unter Bezug auf den Visitationsbericht des Tschanader Bischofs Josef Lonovics aus dem Jahr 1837, darauf hin, dass zu jener Zeit das Floriani-Denkmal nicht nur schon bestanden, sondern auch bereits im Ortszentrum gestanden hat. Denn die „Visitatio canonica“ der Hatzfelder Pfarrei vermerkt: „Statua est unica S. Floriani in meditullio fori ex lapide supra puteum collocata, quae per Dominium conservatur…”, was in deutscher Übersetzung in etwa heißt: „Die einzige Steinstatue, dem heiligen Florian (geweiht), in der Mitte des Platzes über einem Brunnen errichtet, wird von der Grundherrschaft unterhalten…“

In diesem Zusammenhang kann auf einen weiteren dokumentarischen Beleg hingewiesen werden, der – obwohl von Dr. Emmerich Henz veröffentlicht – bisher unberücksichtigt blieb. In den „Topographischen Daten über den Marktort Hatzfeld“ aus dem Jahre 1859 heißt es nämlich: „An Monumenten erscheinen in Hatzfeld bemerkenswerth das in der Mitte des Ortes und Hauptplatzes aus Sandstein errichtete Standbild des heiligen Florian, welches zwischen der Kirche, dem herrschaftlichen Schlosse und in der Nähe der ansehnlichsten Gebäude des Ortes stehend, eine Zierde dieses freundlichsten Theiles des Ortes ausmacht.“

Auch wenn sich nicht genau ermitteln lässt, wann das Floriani-Denkmal errichtet wurde, steht zumindest fest, dass dies vor 1837 erfolgt sein muss.

Das Bauwerk besteht aus drei Teilen: dem 1,75 Meter hohen, achteckigen Postament, dem säulenartigen, vierkantigen Pfeiler, auf den 2,60 Meter entfallen, und dem eigentlichen Standbild mit einer Gesamthöhe von 2,41 Meter. Die Statue stellt den Hl. Florian als römischen Legionär dar. Florian war ein hoher römischer Beamter, der zum christlichen Glauben übertrat und den Märtyrertod am 4. Mai 304 in Lauriacum, dem heutigen Lorch in Oberösterreich, starb. Er wurde zum Patron gegen Feuer- und Dürregefahr und gilt als Schutzpatron der Feuerwehr. Bei dem Hatzfelder Standbild handelt es sich um eine imposante, in Harnisch gekleidete und behelmte Männergestalt, die in der Rechten eine Fahne und in der Linken einen Wasserkübel hält. Damit wird das Feuer an einem brennenden Hause gelöscht, das zu Füßen des Mannes steht. Zeitweilig war die Statue mit einem bunten Farbanstrich versehen.

„Wer mol vom Floriani Wasser getronk hat, geht von Hatzfeld nimmi fort“, lautet ein Hatzfelder Spruch. Damit wird Bezug genommen auf den Anfang des 20. Jahrhunderts gebohrten „Floriani“-Brunnen, der den Bewohnern gutes Trinkwasser sicherte. Die Leute kamen aus den nahen und fernen Gassen zum „Floriani“, um sich das begehrte „artesische Wasser“ zu holen, das nun überall geschätzt wurde. Der Brunnen versiegte in den 1930er Jahren.

DIE ADELSFAMILIE CSEKONICS
UND IHRE HATZFELDER HERRSCHAFT

 Ansehen, Reichtum, Einfluss: die Adelsfamilie Csekonics

General Josef Csekonics (1757-1824), Gründer und langjähriger Kommandant des Mezőhegyeser Staatsgestüts, hat sich durch die Schaffung der neuen k. k. Heeresequitation hohes Ansehen erworben. Er zählt zu den großen Persönlichkeiten der Habsburger Monarchie und so verwundert es nicht, dass sein Name in jedem größeren ungarischen und österreichischen Lexikon steht. Die auf seine Initiative gegründeten und von ihm geleiteten Gestüte in Mezőhegyes und Bábolna bestehen auch heute noch und zählen zu den einzigartigen nationalen Schätzen Ungarns. General Josef Csekonics wurde zur Legende und ist bis auf den heutigen Tag unvergessen. Ansehen und Berühmtheit verhalfen ihm zur Hatzfelder Herrschaft. Zwar hatte er es im Laufe der Jahre zu einem stattlichen Vermögen gebracht, das ihm den käuflichen Erwerb des Gutes im Banat erst ermöglichte, doch steinreich wie Jahrzehnte später sein Enkel Andreas war er nicht. Josef Csekonics hinterließ seinen Nachkommen nicht nur ein ansehnliches materielles Erbe, sondern auch und vor allem einen guten Ruf. Davon profitierten die folgenden Generationen der herrschaftlichen Familie. Dank ihrer wirtschaftlichen Kompetenz, ihrer fortschrittlichen Gesinnung und ihrer Aufgeschlossenheit für Neues machten sie aus der Hatzfelder Herrschaft ein mustergültiges Agrarunternehmen. Mit dem wirtschaftlichen Erfolg war eine stetige Mehrung des Vermögens, mit der Erhebung des Generalssohnes Johann Csekonics (1809-1880) in den erblichen Grafenstand im Jahr 1864 aber ein erheblicher Prestigegewinn der Familie verbunden. Beides zugleich – hohes Ansehen und immenser Reichtum – ergab erst die brisante Mischung, die den großen Einfluss der Familie im Komitat Torontal und darüber hinaus, in der ungarischen Hauptstadt und bei Hofe, ausmachte. Dies trifft vor allem auf die dritte Generation, vertreten durch Andreas Graf Csekonics (1846-1929), zu.

Die Hatzfelder Herrschaft: ein mustergültiger Landwirtschaftsbetrieb

Die Csekonics’sche Herrschaft war nicht nur die größte im Torontaler Komitat, sondern auch eine in Jahrzehnten planmäßig ausgebaute Musterwirtschaft, die überdies zu den modernsten Domänen Ungarns zählte und deshalb wiederholt von Landwirten aus Deutschland und Ungarn besichtigt wurde. Die Hatzfelder Grundherrschaft hatte Vorbildfunktion und stellt ein leuchtendes Kapitel in der Banater Agrargeschichte dar.

Die Anfänge der Hatzfelder Herrschaft gehen auf das Jahr 1790 zurück, als Oberst Josef Csekonics die Ortschaften Hatzfeld und Zerne sowie die Prädien Tschestereg und Bozitova von der Temeswarer Kameraladministration auf zwanzig Jahre in Pacht nahm hat. Bis 1800 gelang es ihm, den festgelegten Verkaufspreis von 376.826 Gulden zu entrichten, worauf die Familie Csekonics Eigentümer des Gutes wurde.

Das Gut, südlich von Hatzfeld in Richtung des Komitatssitzes Großbetschkerek gelegen, hatte eine Fläche von 38.887 Katastraljoch (22.379,8 Hektar) und war damit das größte im Komitat Torontal.

Auf dem Gebiet der Herrschaft befanden sich ursprünglich nur zwei Urbarialsiedlungen: Hatzfeld und (Serbisch-)Zerne. Zwecks Urbarmachung des Bodens, der einer landwirtschaftlichen Nutzung zugeführt werden sollte, siedelte die Grundherrschaft nach und nach Ungarn und Deutsche an, wodurch drei neue Siedlungen entstanden sind: Deutsch-Zerne, Tschestereg und Ungarisch-Zerne. Es waren Kontraktualgemeinden, deren Grundbesitz Eigentum der Herrschaft blieb und den Siedlern in Pacht gegeben wurde.

Die Domäne war in 15 Haupt- und 12 Filialwirtschaftshöfe und ein Forstamt eingeteilt. Betrieben wurden Ackerbau und Viehzucht. Dem Getreidebau, der zwei Drittel der Ackerfläche einnahm, kam die weitaus größte Bedeutung zu. Außerdem wurden Futterpflanzen und diverse Sonderkulturen angebaut. Die Domäne verfügte über einen imposanten Park von landwirtschaftlichen Maschinen, die dem höchsten Stand der damaligen Technik entsprachen und einen rationellen, intensiven Ackerbau ermöglichten. Ein besonderes Augenmerk galt der Viehzucht. Die Rinder-, Schaf- und Borstenviehzüchtungen der Herrschaft wurden auf Landesausstellungen vielfach ausgezeichnet. Berühmt war auch die Pferdezucht des Gutes, die auf dem Herrschafts- und dem Wirtschaftsgestüt betrieben wurde. Anfang 1911 wies die Herrschaft einen Bestand von 17.914 von Tieren auf, davon 593 Pferde, 4157 Rinder, 6972 Schafe und 2322 Schweine. Der Milchertrag belief sich 1910 auf 1.501.190 Liter. Der größte Milchabnehmer des gräflichen Gutes war die Stadt Temeswar. Nach und nach etablierte sich auf der Domäne auch eine gewerbliche Wirtschaft. Die Herrschaft unterhielt mehrere Mühlen und besaß neben einer großen Maschinen- und einer Holzbearbeitungswerkstätte eine Eisfabrik, eine Hanffabrik und eine Brikettfabrik. Im Jahr 1909 erhielt sie auch eine eigene elektrische Zentrale. Mit einem gut ausgebauten Netz von Straßen und Wegen, von Eisenbahnlinien und landwirtschaftlichen Bahnen sowie einem Hafen am schiffbaren Bega-Kanal verfügte die Herrschaft zudem über eine entsprechende Infrastruktur.

Die Domäne sicherte das Dasein von rund 7000 Menschen. Anfang 1911 beschäftigte sie über 900 Personen und zählte auf ihrem Territorium 4076 Seelen. Hinzu kam noch eine stattliche Zahl von Taglöhnern und Saisonarbeitern. Auch viele Hatzfelder verdienten ihr Brot bei der Herrschaft.

Die blühende Hatzfelder Herrschaft, das Ergebnis einer über drei Generationen geleisteten gewaltigen, beispielhaften Aufbauarbeit, wurde 1919 von den südslawischen Agrarbehörden enteignet und systematisch zertrümmert. Das Feld wurde mazedonischen Kriegsfreiwilligen zugeteilt. Die im Familieneigentum belassenen 500, später auf 1000 ergänzten Joch bei Deutschzerne, bewirtschaftete Alexander Graf Csekonics. Nach dem Verkauf dieses Restgutes folgte er den anderen Mitgliedern der gräflichen Familie nach Ungarn. Bis 1946 lebte diese in Enying, in der Nähe des Plattensees, daraufhin zog sie nach Portugal. Mit Andreas Graf Csekonics ist die Hauptlinie der Familie 1984 ausgestorben.

 

Schlösser und Paläste: Symbole von Reichtum und Macht

Auch die Steine kündeten vom unermesslichen Reichtum der Familie Csekonics. Sie ließ repräsentative Bauten errichten oder erwarb solche käuflich. Anfang des 20. Jahrhunderts konnte sie nicht weniger als fünf Schlösser und Paläste ihr Eigen nennen. An erster Stelle sind die beiden Schlösser in Hatzfeld zu nennen: das Stammschloss der Familie inmitten der Gemeinde, gegenüber der römisch-katholischen Kirche, heute Rathaus der Stadt, und das 1870 fertig gestellte, groß angelegte Schloss Csitó, das zwei Kilometer südlich der Gemeinde an der Straße in Richtung Zerne lag. 1891 erwarb Andreas Graf Csekonics ein schönes Empirehaus in Rogendorf, am südlichen Ende des Gutes. Vier Jahre später kaufte er das Batthyány-Schloss in Enying, in der Nähe des Plattensees, und ließ zudem ein Palais, das so genannte Palais Csekonics, in Budapest erbauen.

Bezüglich des Stammschlosses ist uns weder bekannt, wann es gebaut wurde, noch wer der Baumeister war. Es ist anzunehmen, dass es zu Beginn des 19. Jahrhunderts entstanden ist, als General Josef Csekonics seine Funktion als Gestütskommandant in Mezőhegyes niederlegte und sich auf sein Hatzfelder Gut zurückzog. Das Schloss dürfte mehrmals umgebaut und renoviert worden sein. An der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert hatte es einen Ehrenhof, der sich nach Süden zu dem sechs Joch großen Park hin öffnete. In den Jahren 1907/08 trug man einen Teil des Schlosses, den östlichen Gebäudetrakt, zur Kirchengasse hin, ab. 1935 ging das Schloss in den Besitz der Gemeinde über und dient dieser seither als Zentralverwaltung bzw. als Rathaus.

Der wichtigste und architektonisch wertvollste Bau der gräflichen Familie, das Schloss Csitó bei Hatzfeld, war das Machtzentrum der Csekonics’schen Herrschaft und eine architektonische Perle des Banats. Es wurde in den Jahren 1869/70 nach Plänen des berühmten ungarischen Architekten Nikolaus Ybl, inmitten eines 78 Joch großen, herrlich angelegten Parks im Stil des romantischen Historismus errichtet und war dem englischen Herrenhaus nachempfunden. Der lang gestreckte, gedrungene Neorenaissance-Bau kennzeichnete sich durch Solidität. Die Fassade wurde durch zahlreiche Risalite gegliedert. Neben dem Haupteingang befand sich ein achteckiger, oben eingezogener und runder Turm. Durch einen Glasgang mit dem Schloss verbunden war die 1885 nach den Plänen des Architekten Arthur Meinig errichtete schmucke Schlosskapelle, deren Altarbild, eine Darstellung des Hl. Johannes Nepomuk, von Ignaz Roskovics stammte. Die rund 100 Schlossgemächer beherbergten wertvolle Möbel, Gemälde, Gobelins und sonstige Kunstschätze. Einmalig war auch die 8000 Bände umfassende Bibliothek des Schlosses, mit vielen alten Werken und seltenen Ausgaben.

Nachdem es der gräflichen Familie nicht gelungen war, Schloss Csitó zu veräußern, ließ sie es 1937 samt Kapelle abgetragen. Durch den Verkauf der Baumaterialien erhoffte sie sich, eine erhebliche Geldsumme zu erzielen, die jedoch nur einen Bruchteil dessen darstellte, was das prächtige Schloss wert war. Damit versank der größte, architektonisch und künstlerisch wertvollste Bau Hatzfelds in Schutt und Asche. Heute erinnern nur noch alte Ansichtskarten an diese Perle der neuzeitlichen Baukunst.

Wappen Graf Csekonics

Gräfliches Wappen der Familie Csekonics de Zsombolya et Janova auf einem Bleiglasfenster des Archivs des Komitats Fejér in Székesfehérvár, wo das Csekonics-Familienarchiv aufbewahrt wird

Wappen Graf Cskonics

Gräfliches Wappen: Johann Csekonics wird 1864 in den erblichen Grafenstand erhoben und erhält von Kaiser Franz Joseph I. Adels- und Wappenbrief;

Adeliges Wappen: Paul Csekonics

Adeliges Wappen: Paul Csekonics, „Advocat bei der Distriktualtafel von Güns“, Vater des Generals Josef Csekonics, wird 1753 in den Adelsstand erhoben und erhält von Königin Maria Theresia Adels- und Wappenbrief

Andreas Graf Csekonics

Andreas Graf Csekonics (1846-1929), der letzte Eigentümer der Hatzfelder Herrschaft

Leontine Gräfin Csekonics

Leontine Gräfin Csekonics, geborene Freifrau Lipthay (1821-1903), Gattin des Grafen Johann Csekonics

Johann Graf Csekonics

Johann Graf Csekonics (1809-1880), der zweite Eigentümer der Hatzfelder Herrschaft

General Josef Csekonics

General Josef Csekonics (1757-1824), Gründer und langjähriger Kommandant des staatlichen ungarischen Gestüts in Mezőhegyes und der erste Eigentümer der Hatzfelder Herrschaft

Csekonics: Karte Herrschaft

Karte der Hatzfelder Herrschaft um 1910 (Auszug). Durch ihre Einteilung in viereckige Tafeln zu je 400 Joch, die jeweils in 16 kleinere Tafeln zu je 25 Joch gegliedert waren, glich die Domäne einem Schachbrett.

Karte des Komitats Torontal um 1800, auf der die auf dem Territorium der Csekonics’schen Herrschaft sich befindlichen Ortschaften Haczfeld und Czernya sowie die beiden Prädien Bozitova und Csesztereg eingezeichnet sind.

Karte des Komitats Torontal um 1800, auf der die auf dem Territorium der Csekonics’schen Herrschaft sich befindlichen Ortschaften Haczfeld und Czernya sowie die beiden Prädien Bozitova und Csesztereg eingezeichnet sind.

Karte des Komitats Torontal um 1910 (Auszug). Das Csekonics’sche Gut lag in den Stuhlbezirken Hatzfeld und Großbetschkerek und erstreckte sich südlich von Hatzfeld in Richtung des Komitatssitzes Großbetschkerek auf einer Länge von 38 und einer Breite von 2-5 Kilometern.

Karte des Komitats Torontal um 1910 (Auszug). Das Csekonics’sche Gut lag in den Stuhlbezirken Hatzfeld und Großbetschkerek und erstreckte sich südlich von Hatzfeld in Richtung des Komitatssitzes Großbetschkerek auf einer Länge von 38 und einer Breite von 2-5 Kilometern.

Karte der Hatzfelder Herrschaft um 1910. Die Domäne des Grafen Andreas Csekonics war die größte im Torontaler Komitat.

Karte der Hatzfelder Herrschaft um 1910. Die Domäne des Grafen Andreas Csekonics war die größte im Torontaler Komitat.

Das alte Kastell um 1900

Das alte Kastell in der Gemeindemitte um 1900 (vor der Umgestaltung)

Zentrale Milchhalle in Juliamajor

Zentrale Milchhalle in Juliamajor; Maschinenwerkstatt in Juliamajor; Elektrische Zentrale in Juliamajor; Herrschaftliches Gebäude in Juliamajor

Zentrale Milchhalle in Juliamajor; Maschinenwerkstatt in Juliamajor; Elektrische Zentrale in Juliamajor; Herrschaftliches Gebäude in Juliamajor

Zentrale Milchhalle in Juliamajor

Zentrale Milchhalle in Juliamajor

Zentrale Milchhalle in Juliamajor; Maschinenwerkstatt in Juliamajor; Elektrische Zentrale in Juliamajor; Herrschaftliches Gebäude in Juliamajor

Zentrale Milchhalle in Juliamajor

Zentrale Milchhalle in Juliamajor; Maschinenwerkstatt in Juliamajor; Elektrische Zentrale in Juliamajor; Herrschaftliches Gebäude in Juliamajor

Silo auf der Puszta Bozitó

Silo auf der Puszta Bozitó (5.4)

Gestütsstall in Juliamajor

Gestütsstall in Juliamajor (5.3)

Getreidemagazin in Juliamajor

Getreidemagazin in Juliamajor (5.2)

Getreidemagazin auf der Puszta Bozitó

Getreidemagazin auf der Puszta Bozitó (5.1)

Rathaus der Stadt Hatzfeld

Rathaus der Stadt Hatzfeld (Aufnahme von 2007)

Das alte Kastell um 1940

Das alte Kastell um 1940, als es bereits das Rathaus der Gemeinde Hatzfeld beherbergte.

Das alte Kastell um 1910

Das alte Kastell um 1910 (nach der Umgestaltung)

Das alte Kastell um 1910

Das alte Kastell um 1910 (nach der Umgestaltung)

Schloss Csitό

Schloss Csitό: Abbildungen aus der 1911 erschienenen, von Dr. Samuel Borovszky redigierten Komitats-Monografie „Torontál vármegye“

Schloss Csitό

Schloss Csitό wird 1937 abgetragen.

Schloss Csitό

Schloss Csitό im Jahr 1931.

Schlosskapelle

Die 1885/86 erbaute Schlosskapelle.

Schlosskapelle

Die 1885/86 erbaute Schlosskapelle.

Schloss Csitό

Schloss Csitό (Holzschnitt von Julius Háry; Abbildung im 1891 erschienenen 2. Ungarn-Band des Monumentalwerkes „Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild)

Südfront des Csitό- Schlosses

Südfront des Csitό- Schlosses

Südfront des Csitό- Schlosses

Südfront des Csitό- Schlosses

Südfront des Csitό- Schlosses

Südfront des Csitό- Schlosses

Südfront des Csitό- Schlosses

Südfront des Csitό- Schlosses

Nordostfront des Csitό- Schlosses mit Turm und Haupteingang

Nordostfront des Csitό- Schlosses mit Turm und Haupteingang

Nordostfront des Csitό- Schlosses mit Turm und Haupteingang

Nordostfront des Csitό- Schlosses mit Turm und Haupteingang

Nordostfront des Csitό- Schlosses mit Turm und Haupteingang

Nordostfront des Csitό- Schlosses mit Turm und Haupteingang

Schloss Csitό Grundriss

Schloss Csitό: Grundriss des Erdgeschosses mit Angaben zur Nutzung der Räumlichkeiten nach einem Plan des berühmten Architekten Nikolaus Ybl aus dem Budapester Stadtarchiv

 Schloss Csitό

Schloss Csitό: Abbildungen aus der 1911 erschienenen, von Dr. Samuel Borovszky redigierten Komitats-Monografie „Torontál vármegye“